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Die Kustermann-Villa und ihr Park

 Kustermann-Villa

Der längste öffentlich zugängliche Uferabschnitt des Starnberger Sees liegt in unserer Gemeinde. Vom Unterzeismeringer Badeplatz bis zum Freibad wechseln sich Wanderwege, Parks und Promenaden ab. Das hat den historischen Grund, daß 1865 sowohl im Süden der Kommerzienrat Max Kustermann als auch im Norden Hippolyth von Klenze ihre Villa erbauen ließen. Um beide Anwesen legte Hofgartendirektor Carl von Effner einen weitläufigen Park an. Auch am Schloß und für die in den folgenden Jahren am Ufer entstehenden Villen schuf er Anlagen im englischen Landschaftsstil.

Bei späteren Besitzerwechseln konnte die Gemeinde Grundstücke erwerben. So das Midgardhaus und zuletzt 1972 die Kustermannvilla, die „weiße", und den dazugehörigen Park, die 1974 zusammen unter Denkmalschutz gestellt wurden. Da der bayerische Staat 40 Prozent des Kaufpreises übernahm, gab es die Auflage, „daß im Park keine Handlungen vorgenommen werden dürfen, die die dauernde unentgeltliche Benutzung durch die Öffentlichkeit als Erholungs- und Grünflächen behindern".

Trotzdem entstand im Laufe der Jahrzehnte manche Begehrlichkeit von Kommunalpolitikern bezüglich eines Hotels oder eines Gymnasiums auf dem Grundstück, und Pläne für eine Eigentumsanlage existieren noch.

Der Villenarchitekt war bislang unbekannt. Kreisheimatpfleger Gerhard Schober zitiert in seinen detaillierten Anmerkungen zu „Frühe Villen und Landhäuser am Starnberger See" aus einem Kustermann-Tagebuch unter dem 8.9.1965 einen Architekten mit Namen Högel, ohne nähere Erläuterungen. Im „Allgemeinen Lexikon der Bildenden Künstler" von 1925 fand die Verfasserin den Eintrag über Heinrich von Hügel, „Architekt in München,... in den 60 er Jahren Direktionsarchitekt der bayr. Ostbahnen,...erbaute...die Villa Kustermann in Tutzing usw."

Der gebürtige Darmstätter nahm ab 1869 am großen Aufschwung des Eisenbahnbaus in Österreich-Ungarn teil und lernte in seiner Wiener Zeit den Bildhauer Caspar von Zumbusch sowie den Komponisten Johannes Brahms kennen, die wiederum beide in unserem Ort wirkten.

Auch die Eisengießerei Kustermann war vielfältig am Eisenbahnbau beteiligt und expandierte. Max Kustermann behielt das Geschäftshaus am Viktualienmarkt als ständigen Wohnsitz, zur Sommerfrische ging es in die elegante Villa nach Tutzing.

Nach dem Verkauf wurde das unmittelbar die Villa umgebende Grundstück eingezäunt und mit dem Gebäude verpachtet. Damit waren die Wege zu den beiden später entstandenen Kustermannhäusern aufgegeben worden und vormalige Blickachsen wurden zum Sichtschutz zugepflanzt oder dem natürlichen Wuchs überlassen.

Dennoch fanden sich im Park noch viele der ursprünglich von Effner angelegten Strukturen. Um sie wieder freizulegen und zu erhalten, wurde in den neunziger Jahren das Parkpflegekonzept von

Landschaftsarchitekt Christoph Goslich erstellt und gemeinsam mit dem gemeindlichen Bauhof durchgeführt. Nachdem die Restaurierung der Grundzüge von Effners Anlage seit 2008 als abgeschlossen gelten darf, soll dieser Status Quo gepflegt werden.

Seitdem organisiert der 1992 zur Erhaltung des Ensembles gegründete „Förderkreis Kustermann-Villa & -Park e.V." die im Kaufvertrag zugesagten Veranstaltungen in Villa und Park, zum Beispiel das jährliche „Treppenhauskonzert" im Januar. Außerdem kümmert er sich um ursprüngliche Details wie Nachguß der Originalbänke. Am rudimentären Alpinum wird aktuell gearbeitet, die historische Gärtnerei sollte wieder ihrer Bestimmung zugeführt werden.

Tutzinger und ihre Gäste finden also vielfältige Möglichkeiten den Park zu nutzen, müssen seine Werte aber auch schützen. So lohnt es sich, in der Anlage immer mal wieder nach Neuem Ausschau zu halten.

Der Förderkreis ist Gründungsmitglied im neu entstandenen „Denkmalnetz Bayern"; außerdem gehört er zur Initiative „ParkOS - wiederentdeckte Parks und Gärten um Oberbayerische Seen"

(Informationen unter: Anja Behringer, Tel. 993173, Email behringer.anja@googlemail.com).

Anja Behringer

 

Kustermannpark

 
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